Wellingtonian

.

Nach drei Wochen Neuseeland bin ich jetzt wohl richtig “angekommen” – ich gehe inzwischen auch auf dem Bürgersteig links, zahle jeden Cent-Betrag mit Geldkarte und erschrecke mich nicht mehr, wenn neben mir die Sirene einer Fußgängerampel losgeht – wie ein normaler Kiwi eben. Dem deutschen Hochsommer brauche ich ja auch nicht nachtrauern, da dieser pünktlich mit meiner Abreise aufgehört hat und wir jetzt fast identischen Temparaturen haben. Eine größere Umstellung ist die Ernährung: Sweet-Chili-Soße auf dem Döner, “Meat Pies” (Blätterteig-Kuchen mit Fleischfüllung) und “Brot” (man beachte die Anführungszeichen: für den Durchschnittsdeutschen ist hier sogar das gute “Bürger-Bread” nur labbriges Toast ohne jeden Nährwert). Dafür gibts hier leckeres Tui-Bier – ein bei Studenten beliebtes Ale mit coolen Werbekampagnen (Miss TUI, “Yeah right”, Werbefilme). Im Office gibts Mittags immer “Toasties”, eine wilde Mischung aus allem Essbaren im Kühlschrank – wir arbeiten noch an der Killer-Sauce (im Moment eine merkwürdige Kombi aus Sweet-Chili+Chowchow+Tomato+Pflaume+Mint auf Salami und Paprika). Die Nähe zu diversen Burger- und Milkshake-Läden tut dann ihr übriges. Und in Wellington bekommt man fast ausschließlich leckeren Espresso-Kaffee serviert, die in Deutschland übliche Brühe ist hier gottseidank nicht sehr verbreitet. Letztes Wochenende hab ich dann die neu erworbenen Wanderschuhe ausprobiert, und bin mit meinem Arbeitskollegen Michael und ein paar anderen Neuseeländern durch den Dschungel von Orongorongo gekraxelt (Bilder auf Flickr). Ursprünglich sollte die Tour nach Maungakotukituki gehen (Zungenbrecher deluxe), ist dann aber kurzfristig wegen schlechtem Wetter auf die andere Seite der Hügel verlegt worden – wo den ganzen Tag eitel Sonnenschein angesagt war (komisches NZ-Wetter…). Von Lianen über Palmen bis zu Fünfzig-Meter-Baumriesen ist da alles zu finden – und dabei war mein erster Ausflug außerhalb von Wellington ja nur ein kleiner Vorgeschmack auf die tollen Plätze, die mich in Neuseeland noch erwarten – ich freu mich schon. Noch eine kleine Anekdote zum Abschluss: Regnerischer Samstag, Kater, was liegt da näher als Video ausleihen. Ab in den nächsten Laden zum Account eröffnen – das Formular machte mich dann doch etwas stutzig: Adresse plus zwei Telefonnummern, Arbeitgeber (Adresse plus Telefonnummer), Kreditkarte, zwei Ausweise, ein weiterer Kontakt (Adresse plus Telefonnummer), meine Steuernummer (!) und zu guter letzt noch eine Erklärung, dass diese Informationen bei Polizei, Bank und Behörden gegen mich verwendet werden können. Einzig meine Schuhgröße und sexuellen Vorlieben durfte ich für mich behalten. Trotzdem hats nicht für einen Leihausweis gereicht (ich hab halt keinen NZ-Festnetzanschluss…), und somit bin ich unverrichteter Dinge wieder abgerückt – meine einzige negative Erfahrung mit leicht paranoiden Kiwis. So, ich gehe jetzt mal auf die Suche nach einer deutschen Tastatur (die haben doch tatsächlich eine Taste weniger als wir!). Kia Ora.