Wodyauptu
January 18th, 2007

... eine typische Kiwi-Begrüßung, heißt in etwa “Wie gehts, was machst du so?” (“What are you up to?”) – und genau das will ich heute mal bloggen, es gibt genug zu erzählen.
Ich hab endlich meinen Arsch hochgekriegt und bin aus meinem öden Einzelzimmer in eine WG gezogen. Mein “mate” Ben geht für ein paar Monate nach Deutschland, und was läge da näher als sein Zimmer an nen Deutschen nachzuvermieten? Außerdem wohnen hier noch zwei Jungs von SilverStripe, passt also wunderbar. Und das beste: Normales Internet! (UMTS sucks…).
An dieser Stelle vielleicht mal eine kleine Exkursion in neuseeländischen Häuserbau: Im Gegensatz zu massiven deutschen Privat-Festungen kommen mir hier die meisten Häuser wie Pappschachteln vor. Einfach verglaste Fenster, stromfressende Heizstrahler für jedes Zimmer, und Pappwände. Letzteres kann ich noch verstehen, da einem in dem erdbebengeplagten Wellington nicht so leicht “die Decke auf den Kopf fällt”. Trotzdem ist es es schon merkwürdig, wenn mein Vormieter Ben ein Loch in die AUSSENWAND seines Zimmers treten kann – kein Scheiß! Dafür sind hier fast alle Häuser aus Platzmangel an Berghängen gebaut und haben eine phantastische Aussicht auf die zahlreichen Buchten von Wellington. Mein Zimmer hat einen Balkon mit 180° Panorama auf die Lyall Bay, wo mir schon morgens die Sonne entgegenblinzelt und ich die Flugzeuge auf Augenhöhe am nahen Flughafen anfliegen sehen kann.
Das dumme an Berglage und Panorama ist, dass zwischen meiner Arbeitsstelle und WG ca. 250 Höhenmeter liegen, die es jeden Tag zu bezwingen gilt. Die WG-Kollegen machen das mit dem Fahrrad, entweder halsbrecherischer Downhill durch die Büsche, oder die engen Vorort-Straßen runterschlängeln/hochkriechen. Ist mir im Moment beides zu extrem, daher beschränke ich mich auf eine Kombination von Fußarbeit und Busfahren. Meistens komme ich abends nach acht nach Hause, und werde nach dem anstrengenden Bergmarsch auf den Mount Victoria mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt.
Leider muss ich schon wieder umziehen (dumme Verkettung von Mißverständnissen…), und so hab ich die letzten Tage auf trademe.co.nz (dem neuseeländischen Ebay) nach WG-Angeboten gelauert. Ab Februar wohne ich zusammen mit einem Design-Studenten-Paar in einer schnuckeligen zweistöckigen Bude in der Innenstadt (Vivian St., der kleinen “Rotlicht”-Straße von Wellington). Also ein kleines neues Kapitel für mich, mal sehen wie’s läuft. In puncto Ausblick muss ich leider Abstriche machen, außer ein paar Zimmerpflanzen und einer Hauswand ist da nicht viel.
So genug mit Wohnungsdetails gelangweilt, sonst geht hier nicht viel – Arbeit ist immer noch super-interessant (kann mir garnicht vorstellen wieder mit einem prozeduralen System wie Typo3 zu arbeiten…), der Sommer ist endlich da, was will man mehr! Die Mittagspause können wir endlich mal ohne Pullover draußen verbringen, entweder auf dem bisschen Grün am Courtenay Place, oder direkt am Hafen (heute waren wir Tretboot fahren g).
"Sommerurlaub" im Herr-der-Ringe-Land
January 7th, 2007
Weihnachtszeit ist Familienzeit – sogar für temporäre Auswanderer wie mich: Meine Eltern und meine kleine Schwester Karolin haben Geschenke und Sonnenbrille eingepackt, um mich für einen kurzen Sommerurlaub auf der Südhalbkugel zu besuchen – vielen Dank fürs Vorbeikommen!
Erste Erkenntnis: Wellington ist über die Feiertage eine Geisterstadt, wir haben am ersten Weihnachtsfeiertag genau ein offenes Restaurant in der kompletten Innenstadt gefunden (die meisten sind geschlossen, um sich vor den horrenden Feiertagsgehältern zu drücken, und Kiwis kochen über Weihnachten anscheinend lieber selbst). Weihnachtsstimmung wollte ohne Glühwein, Weihnachtsmärkte und Schneedecke sowieso nicht aufkommen, auch wenn sich das neuseeländische Wetter sehr angestrengt hat: Dezember 2006 war mit durchschnittlich 12°C der kälteste Sommermonat seit Beginn der Aufzeichnungen, und damit garnicht soviel wärmer als der verspätete Winter in good ol’ Germany. Da denkt sich der Mitteleuropäer doch “Ab in den Süden” ... nur leider ist auf der Südhalbkugel ja alles andersrum, und auf der Südinsel von Neuseeland ist es eher noch kälter.
Also Schwimmsachen wieder eingemottet, und Kamera rausgeholt – zu sehen gibts nämlich trotzdem genug: Schon auf der Überfahrt mit der Fähre sind wir von Orcas begleitet worden. Die Südinsel ist dünn besiedelt, und die Hauptattraktion ist die abwechslungsreiche Landschaft (wo sonst findet man Gletscher, Palmenstrände, Pinguine und Schafe im Umkreis von ein paar Kilometern?). Mit einem Mietauto haben wir dann an der Küstenlinie entlang die Insel umrundet, so lange uns keine Regenwälder oder Bergmassive ins Inland verschlagen haben – satte 2000km Linksverkehr.
Irgendwann sind wir dann in Queenstown gelandet – eine der bekanntesten Orte der Südinsel. Mit viersteliger Einwohnerzahl eher Bergdorf als Stadt. dafür ist das ganze Gebiet eine einzige große Buchungsagentur für Freizeitsportarten (hier wurde in den 80er Jahren Bungy erfunden). Und so versperren unzählige Paraglider, Hubschrauber und Speedboats die eigentlich atemberaubende Aussicht. Wir hatten uns für einen Skydive aus 12.000ft entschieden (sogar mein Dad wollte springen!), der aber leider wiederholt abgesagt wurde wegen Bewölkung – verdammt! Queenstown war auch unsere Ausgangsstation für den Milford Sound, ein absolutes Highlight der Tour – erinnert ihr euch noch an die riesigen Steinstatuen (“Argonauten”) aus dem ersten Herr der Ringe-Teil? Alles im “Fjordland” um Milford Sound gedreht worden. Mit diesen Bildern im Kopf kann man sich gut vorstellen, wie imposant dieses Flußtal ist. Insgesamt mussten wir zehn Stunden Busfahrt durch Niemandsland mit dichtem Regenwald und kurvigen Bergschluchten überstehen, für eine zweistündige Bootsfahrt Richtung Meer, vorbei an Wasserfällen, Seelöwen und Delfinen. Komischerweise hatten wir genau hier herrlichsten Sonnenschein, bei über 250 Regentagen und bis zu 10m Niederschlag im Jahr.
Generel kommt man an “Lord of the Rings”-Spuren kaum vorbei auf der Südinsel: In Nelson sind wir zufällig auf den Goldschmied gestoßen, der die Ringe für den besagten Film angefertigt hat. Auf Nachfrage haben wir dann auch verschiedene Prototypen gezeigt bekommen, einer davon mit 20cm Durchmesser für Detailaufnahmen (aber leider kein massives Gold, hehe). Außerdem haben wir das Tal von Rangitikei River (“Anduin”) gesehen, durch dass Liv Tyler den verletzten Frodo vor den Ringgeistern gerettet hat – heute wird in der Gegend Bungy gesprungen ;)
Nach ein paar weiteren Stationen auf unserer Insel-Umrundung (kurze Zusammenfassung: Christchurch – “very british”, Dunedin – “big and bulky”, Nelson – “guter Wein”) sind wir dann wieder am Ausgangspunkt angelagt und durch die Cook Straße zurück in ein sonniges Wellington geschippert. Lustigerweise haben wir dort dann das erste Mal am Strand gelegen (direkt in der Innenstadt an “Oriental Bay”).
Alles in allem ein schöner Urlaub ohne Familienkrach, und eine doch sehr andere Art Weihnachten zu verbringen. Die Südinsel mehr als nur Schafe zu bieten (obwohl es schwierig ist, ein Landschaftsfoto ohne Schafe zu machen). Achja, Fotos.